Der moderne und ganzheitliche Bildungsbegriff
steht für den lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen,
bei dem er seine geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten
und seine personalen und sozialen Kompetenzen erweitert. Es kann aber
keinen perfekten Menschen geben; individuelle Anlagen sowie zeitliche,
räumliche und soziale Bedingungen setzen der Verwirklichung eines
wie auch immer definierten Bildungs-Ideals Grenzen.
Nach Daniel Goeudevert ist Bildung „ein
aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess in dessen glücklichem
Verlauf eine selbstständige und selbsttätige, problemlösungsfähige
und lebenstüchtige Persönlichkeit entstehen kann“. Bildung
kann daher nicht auf Wissen reduziert werden: Wissen ist nicht das Ziel
der Bildung, aber sehr wohl ein Hilfsmittel. Darüber hinaus setzt
Bildung Urteilsvermögen, Reflexion und kritische Distanz gegenüber
dem Informationsangebot voraus; andernfalls handelt es sich eher um Halbbildung.
Eine alternative Definition findet sich
bei Kössler: "Bildung ist der Erwerb eines Systems moralisch
erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von
Wissen derart, dass Menschen im Bezugssystem ihrer geschichtlich-gesellschaftlichen
Welt wählend, wertend und stellungnehmend ihren Standort definieren,
Persönlichkeitsprofil bekommen und Lebens- und Handlungsorientierung
gewinnen. Man kann auch sagen, Bildung bewirke Identität." (Kössler
1989)